Neumanns Dampschiff in Sörnewitz

Geschichte

Der Weinhändler Ernst Eduard Nitzsche

Der Weinhändler Ernst Eduard Nitzsche hat im Jahr 1870 in Sörnewitz an der Straße Dresden–Meißen und nahe der Dampfschiff-Anlegestelle ein Wohnhaus erbaut.

historisches bild von sörnewitz mit dampferanlegestelle, bosel und dampfschiffDie bereits vorhandenen öffentlichen Schankwirtschaften befanden sich im Innern des Dorfes und konnten aufgrund der weiten Entfernung zur Anlegestelle von den Dampfschiffreisenden nicht besucht werden. Deshalb sollte im Haus von Herrn Nitzsche eine Wartezone verbunden mit einem öffentlichen Ausschank entstehen. Die billigen Fahrpreise der Dampfschifffahrt im Vergleich zur Eisenbahn lockten immer mehr Gäste an.

Erste Weinschankgenehmigung

Im Februar 1871 erlange Herr Nitzsche die Weinschankgenehmigung und kurz darauf errichtete er eine öffentliche Kegelbahn. Später kam zum Weinausschank noch der Bierschank und der Branntweinschank dazu. Herr Nitzsche starb 1889 und seine Ehefrau führte die Gastwirtschaft weiter.

historische postkarte - richard schlickes weinstuben - heute neumanns dampfschiff1897 kaufte Gustav Richard Schlicke das Grundstück und übernahm auch das Lokal.

1898 ließ Schlicke unmittelbar neben dem alten Wohnhaus ein neues Haus mit Nebengebäude errichten. Das Schankrecht wurde auf die Schankräume im neuen Gebäude übertragen. Die Einrichtung der Lokalität war modern, mit nach Geschlechtern getrennter Bedürfnisanstalt und einem Schlachthaus. Außerdem existierte ein geräumiger geschlossener Hof für einen Wagenhalteplatz und Stallungen für mehrere Pferde.

Die wunderschöne, 1898 erbaute Fachwerkveranda mit großen bunten, oben spitzförmigen Glasfenstern und Verschnörklungen an der Fassade macht die Gaststätte zu einen richtigen Schmuckstück. Noch im Jahre 1898 erteilt die Amtshauptmannschaft die Erlaubnis zum Ausspannen und Krippensetzen. Die Besucher des Restaurants gehörten zum „besseren Publikum“. 1903 entstand die neue Kegelbahn als Anbau an die Nebengebäude.

Ab 1902 wechselten die Pächter und Eigentümer so häufig, so dass sie an dieser Stelle nicht erwähnt werden.

1908 wurde das Grundstück zwangsversteigert. Gottfried Richard Fichtner bekam 1908 die Schankkonzession für sein neu erworbenes Grundstück. Zwei Jahre später waren Paul Alfred August und der Weinhändler Hermann Gottlob August gemeinsame Besitzer der Gastwirtschaft. Zuerst bekam Paul Alfred die Konzession und nachdem er zum Militär musste und seinen Anteil an seinen Bruder verkauft hatte, war Hermann Gottlob August 1916 Gastwirt im „Dampfschiff“.

1919 erwarb Paul Richter, langjähriger Pächter des Brockwitzer Gasthofes, das Restaurant „Zum Dampfschiff“. Am 1. Januar 1921 verkaufte er das Grundstück an seinen Schwiegersohn Richard Otto Klunker, der im Oktober 1921 die neue Schlachteanlage einweihte. Zusammen mit seiner Ehefrau Ida Hulda hatte er viele Jahre die Restauration „Zum Lindenschlösschen“ in Sörnewitz bewirtschaftet, bis das Gebäude am 1. Juli 1920 an die Gemeinde verkauft und als Rathaus genutzt wurde. Viele Gäste, vorwiegend Touristen, übernachteten gern im „Dampfschiff“.

Der Fleischer Otto Fichtner betrieb schon seit längerer Zeit die im Grundstück befindliche Fleischerei, bevor er 1925 auch das Gastwirtgewerbe übernahm. Bei Schulfesten, Volks – und Kinderfesten auf den Elbwiesen war er für den Getränkeausschank zuständig.

Euco – Zapfstelle

1928 wurde im Grundstück eine Euco–Zapfstelle errichtet, die an dieser Stelle bis 1937 existierte, um die Kundschaft mit Monopolin, dem deutschen Alkoholbetriebsstoff zu versorgen. Wegen mehrmaligem Überschreitens der Polizeistunde ergingen an Herrn Fichtner einige Strafbescheide. Auf Grund weiterer Verstöße gegen das Gaststättengesetz, wie den Ausschank an Betrunkene und schärfste Beleidigungen von Berufskollegen wurde ihm mit Verfügung vom 7. Oktober 1939 die Schankerlaubnis entzogen.

1940 ersteigerte Erich Witzorek, ein Molkereigroßhändler aus Dresden, das Grundstück. Umfassende Instandsetzungsmaßnahmen waren notwendig. Anschließend bewirtschaftete seine Frau Gertrud die Gaststätte während er den Großhandel mit Molkereiprodukten weiterführte. Wie auch die Vorgänger schlachteten sie Schweine, um die Erzeugnisse in der Gaststätte zu veräußern. Viele Gemeindemitglieder wie auch Lehrer nahmen im „Dampfschiff“ ihr Mittagessen ein.

1945 bezogen Flüchtlinge die Räumlichkeiten, die zuvor kurzzeitig den russischen Soldaten als Quartier dienten. Nach Beendigung des Krieges gab es hier keine Beherbergung mehr, aber die Gastwirtschaftsfamilie war mit für die Flüchtlingsversorgung zuständig.

In der DDR

Bis 1949 existierte die Gaststätte, ab 1950 wurde sie als Wohnraum genutzt.
Bis 1981 wurde das Gebäude zweckentfremdet genutzt. Die Kegelbahn war als solche nicht mehr nutzbar und ist durch auftretende Baumängel später abgerissen worden.

Anfang der 80iger Jahre befürwortete die Gemeinde, an dieser historischen Stelle wieder eine Gastwirtschaft zu betreiben. Nach einer umfassenden Rekonstruktion eröffnete eine Tochter des Ehepaares, Witzorek Christa, verehelichte Neumann, 1984 die Gaststätte „Neumann’s Dampfschiff“. Bis Ende 1993 wurde die Gaststätte erfolgreich geführt und aus Altersgründen geschlossen.

1994 übernahmen das Grundstück Tochter Anne-Rose und Sohn Harald Neumann.

Wiedereröffnung der Gaststätte

Für die Wiedereröffnung der Gaststätte „Neumann’s Dampfschiff wurden zu diesem Zweck die Sanitäranlagen komplett saniert und ein neuer Eingansbereich geschaffen. Der Restaurantbereich ist dadurch teilbar gestaltet, renoviert und neu eingerichtet. Die Küche sowie die Vorbereitungs- und Lagerräume wurden den neusten hygienischen Erfordernissen entsprechend eingerichtet.

Die Gaststätte wurde am 15.September 2001 wieder in Betrieb genommen.
Ein Jahr später fand die Einweihung der mit Wein begrünten und teilweise überdachten Terrasse mit Blick auf die Elbe statt. In den gemütlichen Gasträumen und auf der Terrasse kann man Gerichte der regionalen Küche und auch Fischgerichte täglich bereits ab Mittag genießen.

2008 Eröffnung Hotel

Im Mai 2008 haben wir unser neu erbautes Hotel mit 11 Zimmern eröffnet. Das Hotel ist der Gaststätte angeschlossen und komplettiert das Angebot für Dienstreisende, Familien und Urlauber des Sächsischen Elblands.
Wer auf der Sächsischen Weinstraße oder auf dem Elbradweg unterwegs ist kann die Gaststätte & Hotel schon von weitem erblicken.